Die Bundesregierung hat die Reform der privaten Altersvorsorge beschlossen. Ab 2027 soll das neue Altersvorsorgedepot eingeführt werden.
Seitdem wird viel über die Veränderungen diskutiert. Höhere Förderungen, mehr Möglichkeiten bei der Geldanlage und neue Chancen für Selbstständige sorgen für Aufmerksamkeit.
Viele Menschen stellen sich deshalb dieselben Fragen:
Muss ich jetzt etwas tun? Ist mein Riester-Vertrag noch sinnvoll? Sollte ich später wechseln?
Die gute Nachricht vorweg:
Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt, muss aktuell nichts überstürzen.
Die Reform eröffnet neue Möglichkeiten. Ob diese später tatsächlich besser sind als eine bestehende Lösung, wird sich jedoch erst zeigen, wenn die konkreten Produkte verfügbar sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Das neue Altersvorsorgedepot soll ab 2027 eingeführt werden.
- Die staatliche Förderung soll deutlich ausgeweitet werden.
- Fonds und ETFs sollen künftig stärker genutzt werden können.
- Auch viele Selbstständige sollen erstmals Zugang zur Förderung erhalten.
- Bestehende Riester-Verträge bleiben erhalten.
- Niemand muss aktuell kündigen oder wechseln.
- Ob ein Wechsel sinnvoll ist, hängt immer von der persönlichen Situation ab.
Warum wird die Altersvorsorge reformiert?
Viele Menschen machen sich Gedanken darüber, ob die gesetzliche Rente später ausreichen wird.
Deshalb möchte die Politik die private Altersvorsorge attraktiver gestalten und mehr Menschen dazu bewegen, zusätzlich für das Alter vorzusorgen.
Mit der Reform werden vor allem drei Ziele verfolgt:
- Die staatliche Förderung attraktiver gestalten
- Mehr Menschen Zugang zur Förderung ermöglichen
- Langfristig höhere Renditechancen schaffen
Vor allem die bisherigen Riester-Produkte standen in den vergangenen Jahren häufig in der Kritik. Die verpflichtende Beitragsgarantie sorgte zwar für Sicherheit, schränkte aber oft die Möglichkeiten ein, langfristig höhere Erträge zu erzielen.
Was wurde beschlossen?
Herzstück der Reform ist das neue Altersvorsorgedepot.
Künftig sollen staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte stärker in Fonds und ETFs investieren können. Dadurch sollen langfristig höhere Renditechancen entstehen.
Gleichzeitig müssen Anleger stärker mit Wertschwankungen rechnen.
Neben dem Altersvorsorgedepot sollen auch weiterhin Lösungen mit Garantien angeboten werden. Verbraucher sollen künftig mehr Wahlmöglichkeiten zwischen Sicherheit und Renditechancen erhalten.
Wichtig ist dabei:
Die Reform ist beschlossen. Viele Details zu den späteren Produkten stehen jedoch noch nicht endgültig fest. Welche Lösungen die Anbieter ab 2027 tatsächlich anbieten werden, lässt sich heute noch nicht beurteilen.
Was bedeutet das für bestehende Riester-Verträge?
Die wichtigste Nachricht lautet:
Bestehende Riester-Verträge bleiben bestehen.
Niemand muss seinen Vertrag kündigen oder kurzfristig handeln.
Viele bestehende Verträge enthalten Vorteile, die individuell sehr wertvoll sein können. Dazu gehören beispielsweise staatliche Zulagen, Garantien, bereits aufgebautes Kapital oder steuerliche Vorteile.
Gerade Familien mit Kindern profitieren heute teilweise bereits von attraktiven Förderungen.
Deshalb lässt sich aktuell nicht pauschal sagen, dass das neue Altersvorsorgedepot automatisch besser sein wird als ein bestehender Riester-Vertrag.
Welche Möglichkeiten haben bestehende Riester-Sparer künftig?
Viele Berichte über die Reform konzentrieren sich auf das neue Altersvorsorgedepot. Dabei wird oft übersehen, dass bestehende Riester-Sparer später mehrere Möglichkeiten haben könnten.
Bestehenden Vertrag weiterführen
Für viele Sparer kann das weiterhin eine gute Lösung sein.
Bestehende Riester-Verträge bleiben erhalten. Die bisherigen Vertragsbedingungen, Garantien und Förderungen bleiben grundsätzlich bestehen.
Später die neue Förderung nutzen
Nach den bisherigen Planungen soll es Möglichkeiten geben, die neue Förderung zu nutzen, ohne automatisch alle bisherigen Vorteile aufgeben zu müssen.
Wie dies konkret umgesetzt wird, steht aktuell noch nicht endgültig fest.
In ein neues Produkt wechseln
Künftig könnten bestehende Riester-Guthaben unter bestimmten Voraussetzungen in neue Altersvorsorgeprodukte übertragen werden.
Ob ein solcher Wechsel sinnvoll ist, hängt von vielen Faktoren ab.
Vertrag beitragsfrei stellen
Wie bisher kann es Situationen geben, in denen ein Vertrag ruhend gestellt wird.
Kündigen
Eine Kündigung ist grundsätzlich möglich.
Sie sollte jedoch gut überlegt sein. Denn dadurch können staatliche Zulagen und steuerliche Vorteile verloren gehen.
Förderung heute und künftig im Vergleich
| Bisherige Riester-Förderung | Geplante Förderung ab 2027 |
| Grundzulage: 175 € pro Jahr | Förderung von bis zu 540 € pro Jahr |
| Förderung abhängig vom Mindesteigenbeitrag | Bereits bei 30 € Eigenbeitrag monatlich sollen 180 € Förderung pro Jahr möglich sein |
| Kinderzulage: 300 € pro Jahr für nach 2008 geborene Kinder (185 € für ältere Kinder) | Bis zu 300 € Förderung pro Kind |
| Förderung hauptsächlich für rentenversicherungspflichtige Personen | Erweiterung auf viele Selbstständige und Freiberufler |
| Steuerliche Günstigerprüfung | Steuerliche Günstigerprüfung soll erhalten bleiben |
Die geplanten Änderungen klingen auf den ersten Blick sehr attraktiv. Trotzdem sollte man daraus nicht automatisch schließen, dass ein neuer Vertrag später für jeden die bessere Lösung sein wird. Förderungen sind nur ein Teil der Entscheidung. Auch Garantien, Kosten, Laufzeit und persönliche Ziele spielen eine wichtige Rolle.
Für wen könnte das neue Modell interessant sein?
Nach den bisherigen Planungen richtet sich die Reform vor allem an Menschen, die bisher keine oder nur wenig staatlich geförderte Altersvorsorge nutzen.
Jüngere Berufstätige
Wer noch viele Jahre bis zur Rente hat, kann Schwankungen an den Kapitalmärkten häufig besser verkraften und langfristig von höheren Renditechancen profitieren.
Menschen mit kleineren Sparbeiträgen
Die neue Förderung soll bereits bei vergleichsweise geringen Eigenbeiträgen attraktiv sein und den Einstieg in die private Altersvorsorge erleichtern.
Selbstständige und Freiberufler
Viele Selbstständige hatten bislang keinen Zugang zur Riester-Förderung. Künftig sollen deutlich mehr Berufsgruppen von der staatlichen Förderung profitieren können.
Anleger mit Interesse an Kapitalmarktanlagen
Wer bereit ist, zwischenzeitliche Schwankungen auszuhalten und langfristig Vermögen aufzubauen, könnte von den erweiterten Anlagemöglichkeiten profitieren.
Familien mit bestehenden Riester-Verträgen
Gerade Familien sollten genau hinschauen.
Viele erhalten bereits heute attraktive Förderungen. Deshalb kann es gut sein, dass ein bestehender Vertrag weiterhin sinnvoll bleibt.
Warum Sie jetzt noch keine Entscheidung treffen sollten
In den kommenden Monaten werden viele Berichte über die Reform erscheinen.
Dabei entsteht schnell der Eindruck, dass man möglichst früh handeln sollte, um keine Vorteile zu verpassen.
Aus heutiger Sicht gibt es dafür jedoch keinen Anlass.
Die neuen Produkte sollen erst ab 2027 verfügbar sein. Welche Kosten entstehen, welche Anlagemöglichkeiten angeboten werden und welche Bedingungen gelten, wird sich erst dann zeigen.
Wer heute bereits einen Riester-Vertrag besitzt, sollte deshalb keine vorschnellen Entscheidungen treffen.
Denn eine Kündigung oder ein Wechsel kann langfristige Folgen haben. Was einmal geändert wurde, lässt sich später oft nicht ohne Weiteres rückgängig machen.
Fazit
Die Reform schafft neue Chancen, aber auch neue Entscheidungen.
Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt, muss heute noch keine Weichen stellen.
Häufig ist es sinnvoller, die endgültigen Produkte und Rahmenbedingungen abzuwarten, bevor über einen Wechsel oder eine Umstellung nachgedacht wird.
Eine Altersvorsorge begleitet oft mehrere Jahrzehnte. Deshalb sollten Entscheidungen nicht aufgrund einzelner Schlagzeilen getroffen werden, sondern auf Basis aller verfügbaren Informationen.
Wenn Sie Fragen zu Ihrer Altersvorsorge haben oder wissen möchten, wie sich die Reform auf Ihre persönliche Situation auswirken könnte, beraten wir Sie gerne persönlich.


